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    Linkspartei: Armut ist antifaschistische Bürgerpflicht in der gewendeten BRD    
                                        von Wolfgang Bendel

Das Zentralorgan der Besserverdienenden in der BRD, der Spiegel, machte vor einiger Zeit aus, dass die mittlerweile zum xten Mal umbenannte SED mit der Parole die Partei der "Schlechterverdienenden“, der „Globalisierungs- und Wendeverlierer“ zu sein, wild entschlossen ist, sich  im Parteiensystem der BRD unentbehrlich zu machen. 

Freilich: Der damit insgeheim geäußerte Vorwurf, die Linkspartei wolle sich im Interesse des erwähnten Personenkreises einsetzen, ist ungerecht. Die Linkspartei ist gerade nicht die Partei der armen Schlucker, der Hartz IV Empfänger, der Modernisierungsverlierer, sondern ganz im Gegenteil: Sie soll den beschriebenen Insassen der BRD „vermitteln“, dass ihre Armut, ihre Hoffnungslosigkeit, ihr Ausgegrenztsein nur zu ihrem Besten ist: Jedenfalls zum Besten des real existierenden antifaschistisch-kapitalistischen Staates, in dem die Wiedergänger von Mielke, Krenz und Honecker  nach einigem Hin und Her endlich angekommen sind.

Und nochmal ganz langsam: Die Funktion der Linkspartei ist es eben gerade nicht, die Proleten gegen ihre Ausbeuter aufzuhetzen, aktiv Klassenkampf zu betreiben, sondern vielmehr ist es ihre Aufgabe, erstere genau in das System zu integrieren, das ihnen die Lebensumstände so sehr erschwert. Für die ihnen zugedachte Rolle werden die Funktionäre der Linkspartei auch staatlicherseits alimentiert, dürfen in Talkshows ihren linksliberalen Bockmist verbreiten und bekommen kostenlos Werbeminuten bei Frau Illner oder Herrn Jauch zur Verfügung gestellt.

Die Funktionäre der Linkspartei sollen dabei, im Sinne der Arbeitsteilung unter den „demokratischen“ Blockparteien der BRD,  voller „Sorge um die soziale Stabilität der Gesellschaft“ darauf hinweisen, dass Armut ein „leider“ weit verbreiteter, aber unvermeidlicher „Kollateralschaden“ kapitalistischen Wirtschaftens ist. Die einzige Frage, die die Linkspartei an den besten Staat der Welt hat, lautet daher: „Wie weit darf eigentlich die Verarmung immer größerer  Teile der Bevölkerung hierzulande gehen, ohne dass der Wirtschaftsstandort BRD ernsthaft in Schwulitäten gerät, weil die Ausgebeuteten aufmucken könnten?“ Anders formuliert, die Linkspartei bzw. die „Genossen“ Gysi und Lafontaine treibt nicht die Frage um, geht es den Proleten zu schlecht, sondern ist deren stets sinkender Lebensstandard eine Gefährdung für die Funktionsfähigkeit der BRD. Könnten die „Errungenschaften“ des ersten totalen antifaschistischen Staatswesen der Menschheitsgeschichte dadurch in Gefahr geraten, dass ein erheblicher Teil der Bevölkerung einfach nicht mehr so weiterleben kann?

Droht also durch die „Prekarisierung“  weiter Bevölkerungskreise der Verwertungsprozess ernsthaft ins Stocken zu geraten, weil die „Schlechterverdienenden“ mittlerweile über so wenig materielle Mittel verfügen, dass ihre Integration in den Wirtschaftskreislauf gefährdet ist? Das allerdings wäre ein Alarmsignal für die Standortpatrioten der  BRD – wenn sich die Kapitalverwertung an manchen Orten deshalb nicht mehr darstellen lässt, weil viele Proleten „unserem“ Wirtschaftsstandort nicht mehr sachgerecht dienen können, da  sie  sich skandalöserweise  der antifaschistischen Profitmaximierung aufgrund fehlender finanzieller Eigenmittel verweigern müssen. Also gezwungenermaßen die „eigentlich“ makellose und nicht zu kritisierende Wirtschaftspolitik der BRD-Besitzer sabotieren.

Und genau das ist es, worauf die Linksparteiler mit sorgengefalteter Stirn hinweisen wollen.