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Auf der Homepage der Literatur- und Kulturzeitschrift "Blaue Narzisse"


Außerdem:

Südamerika jenseits der political correctness
                                                                        
Der lateinamerikanische Großkontinent führt im Massen- und Medienbewusstsein Europas eher ein Schattendasein. Berichtet wird meist über spektakuläre Naturkatastrophen, den Drogenkrieg in Kolumbien und Kubas Dauer- und Kleinkrieg mit den USA. Aber Südamerika ist reicher und vielgestaltiger. Wolfgang Bendel war dort, bereiste die meisten Länder von Nord bis Süd – und stellte fest, dass die hierzulande gängigen politisch korrekten Pauschalurteile auch in diesem Fall meist völlig daneben sind.

 Pralle Reiseerlebnisse                                                                                      

Bendels Bericht liest sich spannend, bunt und lehrreich von der ersten bis zur letzten Seite. Das liegt daran, dass der Autor kaum etwas ausblendet, was ihm auf seinen Fahrten mit klapprigen Bussen oder heruntergekommenen Großstadttaxis widerfahren ist, dabei aber immer wieder interessante kultur- und geistesgeschichtliche Exkurse einblendet. So nimmt der Leser außer den prallen Reiseerlebnissen vom Zeltplatz, aus den Favelas Rio de Janeiros immer einen literarischen „Mehrwert“ mit, der über das Touristisch-Folkloristische hinausgeht.

Mit vielen seiner Kommentare liegt Bendel im Schwarzen, mit einem aber ganz besonders: dass Südamerika mit seiner Buntheit, mit seiner Vitalität und der Vielgestaltigkeit seiner Geschichte „süchtig“ macht. Wenn man sein Buch aus der Hand legt, möchte man am liebsten selber hinfliegen.
Nation und Europa, 11-12/2009
                                                        * * *                   
Der Autor von Der phantastische Kontinent ist Dávila-Bewunderer, keine Frage. Nicolás Gómez Dávila (1913-1994) war ein konservativer, wiewohl sehr scharfsinniger Philosoph aus Kolumbien, und manche halten ihn für einen der bedeutendsten lateinamerikanischen Schriftsteller überhaupt. Das Besondere an Dávila war, dass sein ganzes philosophisches Werk nur aus kurzen Sätzchen oder Abschnitten bestand, statt aus umfangreichen Aufsätzen oder Büchern. Wer dieses Mosaik aus kleinen und kleinsten Textteilchen liest, dem erschließt sich trotzdem ein umfassendes Bild - etwa wie bei einem Mosaik.

Ähnlich verhält es sich bei Wolfgang Bendels etwas anderem Reisebuch. Zwar findet man mehrere längere Kapitel, doch sind diese immer wieder unterbrochen, kurze Dialoge, skizzenhafte Szenen, ja sogar kleine Witze zwischendurch machen das Lesen abwechslungsreich und lassen keine Langeweile aufkommen. Vor allem aber beschäftigt Bendel die Phantasie des Lesers, vor dessen innerem Auge kleine lateinamerikanische Vorstellungsinseln aufscheinen, die im Laufe der Lektüre zusammenrücken und sich schließlich verbinden zu den Konturen des Kontinents Lateinamerika.

Bendel war überall auf dem Subkontinent, in jedem Land, wie mir scheint - ich habe es nicht nachgehalten -, und schildert Land und Leute. Meist sind es Anekdoten, kleine Alltagsgeschichten, die er selbst erlebt hat; so wird der Autor von einem Brasilianer gefragt, ob Deutschland auch so klein wie Argentinien sei, und er kann nur verdutzt antworten, dass Argentinien eines der größten Länder der Welt ist. Manchmal schildert er aber auch die Historie einer Ortschaft oder einer Region. Eindrucksvoll ist beispielsweise die Schilderung, wie 1897 brasilianische Soldaten die autarke Wüstenstadt Canudos eroberten, in der (ähnlich wie beim italienischen Fiume 1919/20) allerlei mehr oder weniger gescheiterte Existenzen und Außenseiter eine neue Heimat gefunden hatten. In Canudos hatte eine Art natürlicher Kommunismus vorgeherrscht. Als die Soldateska abzog, war die Stadt geschleift, alle Bewohner, auch Frauen und Kinder, abgeschlachtet oder aufgeknüpft.

Durch die unchronologische Erzählweise kann man das Buch quasi in beliebiger Reihenfolge lesen. Nichts spricht dagegen, mit dem letzten Kapitel zu beginnen oder in der Mitte anzufangen. Die tausend kleinen Bilder, die Bendel zeichnet, ergeben schlussendlich ein großes Mosaik, das wirklich eindrucksvoll ist. Heitere, aber auch erschütternde, spannende und ruhige Passagen lassen das Gefühl zurück, Lateinamerika selbst miterlebt zu haben. - Mir hat die Lektüre viel Vergnügen bereitet, und ich würde gerne noch mehr von dem Autor lesen.
                                                                              Heiko Brehm auf www.amazon.de